Geschichte der GV Surlacia

 

Surlacia — eine Gymnasialverbindung sucht ihren Weg

 

Vereinzelte Stimmen, die sich dafür aussprachen, in Sursee eine Mittelschulverbindung des Schweizerischen Studentenvereins zu gründen, gab es schon seit Jahrzehnten, und zwar immer dann, wenn in der mittelalterlichen Kleinstadt am Sempachersee ein Zentralfest über die Bühne ging. Den entscheidenden Anstoss zur Verbindungsgründung gab allerdings erst jenes von 1988. Unter den Auspizien von CP Michele Vela v/o Kult bildete sich eine sogenannte „Kerngruppe” aus ehemaligen Absolventen der Kantonsschule Sursee — mit dem Auftrag, die Gründung einer Mittelschulverbindung in die Wege zu leiten. Diese Kerngruppe nahm ihre Arbeit zu Beginn des Jahres 1989 auf. Obwohl sich der Rektor der Kantonsschule Sursee, Ruedi Amrein v/o Sidi (Berchtoldia), einer Verbindungsgründung nicht abgeneigt zeigte, gestalteten sich die Bemühungen auf dieses Ziel hin in den folgenden Monaten recht harzig. Unter anderem machte man mittels Schülerlisten Söhne und Töchter von StVerinnen und StVern ausfindig und versuchte, sie für eine Verbindung zu gewinnen — mit mässigem Erfolg.

 

Die Kerngruppe 

Der Elan geriet zusehends ins Stocken, und die Angelegenheit drohte „ad acta” gelegt zu werden. Am Zentralfest 1990 in Wil wurde dann mit Rainer Jacquemai v/o WISO (Burgunder) ein Surseer ins Zentralkomitee des StV gewählt, welchem darüber hinaus noch die Betreuung der deutschsprachigen Mittelschulsektionen anvertraut wurde. So dauerte es nicht lange, bis das Dossier der Surseer Mittelschulverbindung wieder geöffnet und die Kerngruppe reaktiviert wurde. Dieser gehörten nun 16 Personen an. Man ging noch einmal über die Bücher und änderte das Vorgehen:

„Mittelschulinformationstag” hiess nun das Zauberwort. Einen solchen Informationstag mit Vorstellung der verschiedenen akademischen Studienrichtungen und der Studienorte führte der StV am 28. Januar 1991 für die sechsten und siebten Klassen der Kanti Sursee durch. Am Abend hielten die Mitglieder der Kerngruppe mit den interessierten Schülerinnen und Schülern einen „Stamm” ab, machten sie mit der Idee einer Mittelschulverbindung vertraut und schafften damit endlich den Durchbruch, indem etwa dreissig Schülerinnen und Schüler die Bereitschaft zum Mitmachen bekundeten. 

 

Von der „Lactremensia” zur „Surlacia”

In der Folge setzte sich der „harte Kern” der interessierten Mittelschüler mit der Kerngruppe einige Male zusammen, um das weitere Vorgehen, basierend auf einem Konzept von Richard Kottmann v/o Schelm (Neu—Romania), zu besprechen und einen Statutenentwurf auszuarbeiten. Am 27. März 1991 fand schliesslich im Wirtshaus Wilder Mann, dem künftigen Stammlokal, die Gründungsversammlung statt. Nach der Genehmigung der Statuten trugen sich in einer feierlichen Zeremonie rund zwanzig Gründungsmitglieder in eine Urkunde ein. Die Versammlung wählte für die 65. StV—Verbindung den Namen ”Lactremensia”, der auf das Schlottermilch—Quartier, in welchem sich die Kantonsschule befindet, Bezug nimmt. Überdies bestimmte sie „Schampar froh!” zum Wahlspruch und entschied sich für den roten Schlapphut als Kopfbedeckung. Das Gründungskomitee setzte sich aus Heiner Grüter v/o Chlöpfer (Senior), Christoph Hauser v/o Mephisto (Consenior), Roger Gösele v/o Panorama (Aktuar) und Reto Casserini v/o Bocco (Fuxmajor) zusammen. Wenige Wochen später wurde der etwas sonderbare Verbindungsname „Lactremensia” in „Surlacia” abgeändert. Anlässlich des Jubiläumszentralfestes „150 Jahre Schweizerischer Studentenverein” in Schwyz wurde die Surseer Mittelschulverbindung offiziell in den StV aufgenommen.

 

 

Der Altherrenverband liess nicht lange auf sich warten

Umgehend wurde auch die Gründung eines Altherrenverbandes an die Hand genommen, wobei sich in der Anfangsphase alle interessierten StVerinnen und StVer um die Mitgliedschaft bewerben konnten (später sollte dies lediglich noch aktiven Surlachern, welche an der Kanti Sursee die Matura absolviert haben, auf Gesuch hin möglich sein). Am 25. Oktober 1991 genehmigte die Gründungsversammlung nach zweiter Lesung die Statuten und wählte Rainer Jacquemai v/o WISO als Präsident, Daniel Zumbühl v/o Schwelle (Neu—Romania) als Vizepräsident, Alex Stöckli v/o Hecht (Fryburgia) als Kassier, Kurt Dietschi v/o Elf (Rauracia) als Aktuar und Otto Steiger v/o Bügel (Kyburger) als Beisitzer und Vereinspapa in den Altherrenvorstand.

Burgunder und Neu—Romanen buhlten um die Patenschaft

Gleichzeitig begann ein Organisationskomitee — bestehend aus Stephan Landolt v/o Obsi (Rauracia) als Präsident sowie WISO, Schwelle und dem Präsidenten des Amtsverbandes Sursee, Richard Kottmann v/o Schelm, als Mitglieder — mit den Vorbereitungen für das erste Stiftungsfest der Surlacia. In diese Zeit fielen auch die Diskussionen innerhalb der Aktivitas zum Thema Patenverbindung. In die engere Wahl kamen dabei die Burgunder, für die sich vor allem Altherrenpräsident WISO stark machte, und die Neu-Romanen, die sich angesichts der starken Präsenz in der Kerngruppe, im Altherrenvorstand und im OK des Stiftungsfestes geradezu „aufdrängten”. „Allem Anschein nach werden sich die Surlacher für die akademische Kommentverbindung Neu-Romania, Freiburg i. Ue., als Patensektion entscheiden”, steht dazu lapidar im Protokoll der 2. Sitzung des Altherrenkomitees vom 20. Januar 1992. Der Schein trügte nicht, und die Neu-Romanen nahmen die Patenschaft gerne an. Was so ein Entscheid mitunter für Folgen haben kann, erfuhren die „Bauern” postwendend. Im erwähnten Protokoll steht nämlich unter dem Traktandum, welches die anlässlich des Stiftungsfestes vom 2./3. Mai 1992 zu weihende Verbindungsfahne der Surlacia betraf: „Es steht (gerüchteweise) auch die Möglichkeit zur Diskussion, dass die Fahne von der mutmasslichen Patensektion Neu-Romania finanziert werden könnte. Sollte diese Variante ausser Betracht fallen, müsste eine Altherrenschaft-interne Lösung gefunden werden.” Es dürfte nicht sonderlich erstaunen, dass Letzteres der Fall war. Aber immerhin konnte sich die Neu-Romania elegant aus der Affäre ziehen, indem sie mit der Gattin von Altherr Theo Fischer v/o Fasli‚, Margrit Fischer v/o Sufra, und Altherr Hanspeter Fischer v/o Last das Fahnenpatenpaar stellte (beide wurden übrigens in Anerkennung ihres Engagements von der im Rahmen des Stiftungsfestes stattfindenden Generalversammlung des Surlacia-Altherrenverbandes ehrenphilistriert). Doch auch die Aktivitas der Patenverbindung liess sich nicht lumpen und überreichte ihrem Patenkind eine Biertafel als Einstandsgeschenk.

Epilog

Wie alle anderen Gymnasialverbundengen durchlebte auch sie — Konjunkturzyklen gleich — gute und weniger gute Zeiten. Die personellen Aderlasse, die jeweils mit maturabedingten Abgängen einhergingen, waren in der Regel deutlich zu spüren. Den einzelnen Komitees gelang es in unterschiedlichem Masse, mit neuen Füxen eine Verjüngung und Vermehrung der Aktivitas herbeizuführen. Erschwerend wirkte sich oft die Tatsache aus, dass bei den allsemestrigen Wechseln der Führungsriege kaum Kontinuität zu erreichen ist — auch wenn einige Komiteemitglieder in Ermangelung eines Nachfolgers ihre Charge zwei oder gar drei Semester lang bekleiden durften bzw. mussten.  
Noch nicht zu befriedigen vermögen indessen Verständnis und Engagement der jungen Gymnasialverbindung für den Gesamtverein. Obwohl seitens der Altherrenschaft versucht wurde, diesem Trend durch entsprechende Bemühungen auf der Ausbildungsebene entgegenzuwirken, ist nicht zu übersehen, dass die Surlacia diesbezüglich ein Eigenleben führt. Andererseits ist lobend festzuhalten, dass sich die Verbindung seit jeher durch einen ausgeprägten inneren Zusammenhalt auszeichnet.

Daniel Zumbühl v/o Schwelle